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Chronik / Die Vorgeschichte

Die Vorgeschichte

Bereits 1793 erwähnte Forstrat Johann Mattheus Bechstein in seiner Gemeinnützigen Naturgeschichte Deutschlands das Vorkommen verschiedenartiger Barthühner ohne Haube in schönen Färbungen in und um Ruhla im Thüringer Wald. Man schätzt, dass die Thüringer Barthühner schon seit Jahrhunderten in bäuerlichen Betrieben des Thüringer Waldes gehalten wurden.

Über die genaue Herkunft und die Entstehung dieser genügsamen, zutraulichen und sehr widerstandsfähigen Landhuhnrasse gibt es jedoch leider keine eindeutigen Angaben.

 

Recht glaubhaft erscheint die Annahme, dass während des 30jährigen Krieges im Jahre 1621 viele Familien aus ihrer Heimat Böhmen und Mähren vertrieben wurden, und sich zum großen Teil im Thüringer Wald, in der Gegend von Ruhla und Steinbach, ansiedelten. Da es sich bei diesen Vertriebenen größtenteils um Landwirte handelte, liegt die Vermutung nahe, dass sie auch Vieh mitbrachten und darunter auch die böhmischen Landhühner, die mit Bart und teilweise mit Haube ausgestatt gewesen sein sollen. Verpaarungen mit dem damaligen Thüringer Landschlag den "Thüringer Otterköpfchen" sollen dann die Ausgangsbasis für die Thüringer Barthühner, die bis  1934 auch als Thüringer Pausbäckchen bekannt waren, gebildet haben.

 

Eine ebenfalls nicht ganz abwegige Variante erscheint die Möglichkeit, dass auf dem Handelsweg bärtige gold - und silbergetupften Pawlowa - Hühner aus Südrussland nach Ruhla kamen, wo man für Herstellung von Meerschaumpfeifen große Mengen Meerschaum aus Kleinasien und von der Krim bezog. Zusammen mit den bereits erwähnten und inzwischen ausgestorbenen "Thüringer Otterköpfchen" und den zu der Zeit im Thüringer Wald ebenfalls stark vertretenen Paduanern könnten diese Pawlowa- Hühner zu den Vorfahren der Thüringer Barthühner zu zählen sein.

 

Aber gleich welche Hühnerschläge letztendlich bei der Entstehung der Thüringer Barthühner Verwendung fand, sicher ist, dass das Barthuhn in Ruhla schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Reinzucht gehalten wurde.

Um  1880 sollen in Ruhla bereits um die 20 rein gezüchtete Stämme des Thüringer Pausbäckchens existiert haben. Die Entstehung einer neuen Landhuhnrasse, ohne eine entsprechende Beschreibung, war wohl zu dieser Zeit dem Umstand zu verdanken, dass man sich, wenn man zur Blutauffrischung Bruteier oder Zuchttiere benötigte, bei Nachbarn oder höchstens bei Bekannten aus dem Nachbarort bediente. In der Regel wurden dann zwei Frischeier gegen ein Brutei getauscht.

Im "Geflügelhof" erschien 1882 erstmals eine Abbildung eines Stammes "silberbunter Pausbäckchen" und auf den Geflügelschauen wurden zu der Zeit auch die ersten Ausstellungstiere gezeigt. 1883 besuchte der Vorsitzende des Verbands der Thüringer Geflügelzuchtvereine Carl Röder die erste Ausstellung des  1880 gegründeten Vereins in Ruhla, die Ende Mai stattfand.

Er führte dabei mit vier Ruhlaer Züchtern der Thüringer  Pausbäckchen Gespräche und machte ihnen, anscheinend mit Erfolg den Vorschlag, von der angedachten Bezeichnung "Ruhlaer Barthuhn" abzusehen und den Namen "Thüringer Barthuhn zu wählen.

1890 berichtet Bruno Dürgen in seinem "Katechismus der Geflügelzucht" von den Thüringer Pausbäckchen in Farbenschlägen Schwarz, Weiß, Blau, Gelb, Sprenkel, Gold-Silber- und Chamoisgetupft sowie von Bausbäckchen mit schwarzem Kopf und schwarzem Schwanz, die man Mohrenköpfe nannte.

Der Verein für Geflügelzucht in Ruhla machte, unter seinem damaligen Vorsitzenden Kantor Wilhelm, auch in weiteren Kreisen der Bevölkerung mit Erfolg auf die Thüringer Pausbäckchen aufmerksam.  So waren auch Ende des 19. Jahrhunderts die Thüringer Pausbäckchen im westlichen Teil des Thüringer Waldes, in vielen Hühnerbeständen anzutreffen.

In einem handgeschriebenen Standard, der 1898 in Ruhla entstand und mit 11 Unterschriften versehen wurde, sind die Thüringer Bausbäckchen (man begegnet immer wieder einer anderen Schreibweise) in elf Farbenschlägen aufgeführt: Schwarz, Weiß, Gelb, Blau, Blausperber. Gold-Silber und Chamoisgetupft, Rebhuhnfarbig, Silberhalsig und Mohrenköpfig.

 

Zu dieser Zeit beachtete man in ganz Deutschland die eigenen Heimatrassen wieder mehr, dabei gewannen auch die Thüringer Barthühner einen ordentlichen Liebhaberkreis. Wozu  natürlich auch die positiven  Abhandlungen in den Fachzeitschriften ihren Teil beitrugen, in denen meist auch die gute Legeleistung und die problemlose Haltung der Thüringer Barthühner herausgestellt wurde.  So wurde man beispielsweise auch in England auf die Pausbäckchen aufmerksam, als 1903 bei einer Schau in Frankfurt am Main 140 Tiere aus verschiedenen deutschen Hühnerschlägen gezeigt wurden und sich darunter sage und schreibe 35 Pausbäckchen befanden. Dieses Verhältnis veranlasste den Engländer Edward Brown dazu, in seinem kurze Zeit später erschienenen "Großen Werk über Geflügelzucht" die Pausbäckchen als die Lieblinge der deutschen Züchter zu bezeichnen.

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